Eisenbahn: Aus für Regional-Linien ?
In meiner Broschüre "Projekt BB (Bus-Bunn)", welche demnächst in aktualisierter und erweiterter Form neu erscheinen wird, hatte ich die Gründe aufgezählt, warum am Hauptbahnhof Luxemburg nicht alle Linien als "Radial-Linien" enden dürften, sondern mit kurzem Zwischenstop die Hauptstadt als "Durchmesserlinien" durchqueren sollten:
Der Pariser RER und die deutschen S-Bahn-Systeme funktionieren nach gleichem Prinzip.
Die CFL hatte in den vergangenen Jahren mit ihren Regionalzügen das Konzept der Durchmesserlinien im Prinzip verwirklicht, allerdings nicht konsequent genug: Die Aufenthaltszeiten im Bahnhof Luxemburg waren viel zu lang.
Nach der Mitteilung des Verkehrsministeriums vom 29. 5. 2001, dass mit dem Sommerfahrplan die Züge aus Norden und Süden nicht mehr die Hauptstadt durchqueren, sondern wieder wie früher am Hauptbahnhof ihre Fahrt jäh beenden werden, dürfte das Experiment als gescheitert angesehen werden. Wie ich in Erfahrung bringen konnte, wurden für diesen Entschluss folgende Gründe angeführt:
Beim Betrieb von Durchmesserlinien muss der Bahnhof Luxemburg wie ein normaler Zwischen-Haltepunkt angesehen werden. Die Verspätungen müssen folglich an den Endstationen mit Richtungswechsel ausgeglichen werden, wie Wasserbillig, Pétange, Wiltz u.s.w.
Wer möchte schon am Hauptbahnhof 20 Minuten lang im stehenden Zug sitzen bleiben? Zudem, bei der jetzigen Struktur des Streckennetzes ist das Ausbleiben der "durchfahrwilligen" Kundschaft nur normal. Es fehlen die Haltestationen im Stadtgebiet. Wer will schon von Esch-Alzette nach Dommeldingen? Mit dem von mir vorgeschlagenen BB-Hauptstadt-Eisenbahntunnel und Stationen im Stadtzentrum, auf Limpertsberg, auf Kirchberg, Findel und Geesseknäppchen dürfte sich die Lage sicherlich verändern.
Betriebstechnisch gesehen funktioniert der Hauptbahnhof Luxemburg also weiterhin wie ein "multipler Kopfbahnhof". Ein Gesamtkonzept mit logisch konzipierten Durchmesserlinien und Haltestellen im Stadtbereich ist dringend erforderlich!
Georges Schummer, ing. dipl.,
Autor der Studie "Projekt BB"